Heizen mit Kuhmist? - Die Herstellung von Ditten

Die Ditten werden vor dem Haus zum Trocknen aufgeschichtet.

Zu den Eigenarten des alten Halliglebens gehörte die Versorgung mit Brennmaterial. Erst im Jahre 1959 haben die Halligen Strom bekommen. Bis dahin mussten die Halligbewohner sich ihr Brennmaterial noch selbstherstellen.

Maren Bendixen weiß es noch als wäre es heute:

 

"Bis in die sechziger Jahre wurde auf den Halligen der Kuhdung als Heizmaterial verwendet. Bis diese Ditten - so werden diese genannt - so weit waren, dass sie als Heizmaterial dienen konnten, war es eine sehr schwere Arbeit. Fast jedes Hallighaus hatte auf der Nordseite des Stalles einen ausgemauerten Behälter. Diesen nannte man Mistpott. Dieser Mistpott fasste in etwa 75 Kubikmeter. Er war 5 x 5 Meter breit und drei Meter tief. In diesem Behälter wurde jeden Tag der nasse Kuhdung gesammelt. Der Dung musste einigermaßen frei von Heu sein, weil der eingetrocknete Dung später gestochen werden musste. Im Frühjahr, wenn die Warftflächen abgetrocknet waren, wurde der nasse Dung auf die Warftflächenaufgebracht. Dazu waren viele Arbeitskräfte nötig, jeder hat jedem geholfen. Eine Arbeitskraft musste im Mistpott stehen, um den Dung in Schubkarren zu schaufeln. Zwei andere mussten die vollen Karren auf die Warft schieben. Dort wurde der Dung in Abstand von ca. einem halben Meter ausgeschüttet. Ein starke Mann musste diesen Dung dann gleichmäßig mit einer Forke ausbreiten.

Beim Wenden den Ditten mussten Kinder und Erwachsene mithelfen.

Für zwei bis drei Kinder war es dann die Aufgabe, den Dung kräftig festzutreten. Zum Abschluss dieses ersten Vorganges wurde der festgetretene Dung mit einem Holzstampfer, der in Größe ca 40 x 50 cm maß und mit einem Jutensack bezogen war, festgestampft. Diese Fläche musste so lange trocknen, bis man mit dem Fuß auftreten konnte,ohne dass dieser einsackte. Dann wurde die ca. 6-7 cm dicke angetrocknete Mistschicht mit einem Spezialspaten in etwa 20 x 20 cm große Stücke geschnitten und gleichzeitig umgedreht. Das war eine Arbeit, die gekonnt sein musste! Auch diese untere Schicht musste erst trocknen. Manchmal dauerte es Wochen.

Der nächste Arbeitsgang bestand darin, daß die noch nassen Ditten in Reihen aufgestellt werden mussten. Diese Arbeit ging nur im Bücken, daher war sie mit sehr viel Muskelkater verbunden. Die ganze Familie, auch die Kinder, mussten dabei helfen. Diese Reihen wurden dann wieder umgedreht, damit jede Seite von Sonne und Wind getrocknet werden konnte.

Nach einigen Wochen konnte man die Ditten in sog. Klooten setzen. Dann wurden zwei Doppelreihen in drei Schichten übereinander gesetzt mit Ditten abgedeckt, damit es in die Klooten nicht einregnen konnte. Diese Klooten mussten wieder einige Wochen stehen und trocknen. Je mehr Sonne und Wind, desto schneller konnte man die hartgetrockneten Ditten in Säcken zum Dachboden tragen, wo sie in der Dachschräge aufgestapelt werden mussten. Die noch nicht ganz trockenen Ditten wurden wieder umgeklootet, so lange, bis alle auf dem Boden waren.

Jeder Hausstand brauchte etwa 20.000 Stück, um für einen Winter Brennmaterial zu haben. Die Beilegeöfen fassten ca. 30 Stück und hatten dann eine Brenndauer von zwei Stunden. Auch die Backöfen wurde mit Ditten beheizt. Um Ditten richtig zum Brennen zu bringen, musste man Holz (Strandgut) feinhacken, anzünden und dann mit den Ditten bedecken. Die auf den Dachboden gelagerten Ditten wurden täglich durch einen Dittenschacht direkt in die Küche in das Dittenloch hinuntergeworfen, damit die Hausfrau sie am Herd zur Hand hatte."